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BAD KROZINGEN. Konzerte in Zeiten von Bronchitis und Sinusitis, vulgo Husten und Schnupfen, für gewöhnlich auch noch mit Heiserkeit gepaart – das sind Herausforderungen der ganz eigenen Art für einen Chor. Die Tunsler Chöre wagten sich trotz erkältungsbedingter Ausfälle auf die Bühne des Kurhauses mit einem Konzert, das das Publikum – zu Recht – wieder einmal zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss. Mit 330 Besuchern habe er gerechnet, so Peter Ritzel, bei der Kur und Bäder GmbH verantwortlich für die Veranstaltungen im Kurhaus; fast 100 Stühle mehr musste er hinzufügen lassen, so groß war der Ansturm. Das freute ihn als Tunsels Ortsvorsteher und Sänger im Männergesangverein (MGV) ganz besonders.
Frisch und munter präsentierten sich die "Tunsler MGV Kids", deren Leitung schon beim Jahreskonzert des MGV in Tunsel Karoline Wolf übernommen hatte. Piraten waren ihr Thema sowie der freundliche Umgang miteinander, wie ihn Alan Menkels Hit "In deiner Welt" und "der Song "International ist klasse" vom Komponistenduo Wolfgang Menzel und Dirk Beuschel ans Herz legen. Zusammen mit den Mannen des MGV – wieder ein gelungener Übergang – schmetterten die "Kids" dann auf Englisch als Zugabe eine bekannte Melodie aus der Coca-Cola-Werbung, bevor sie nach angemessen großem Applaus die Bühne verließen.
Wer beim Konzert des MGV Tunsel anlässlich seines 125. Geburtstags nicht dabei sein konnte, hatte nun Gelegenheit, einen Teil der ausgewählten Programmfolge zu erleben. Von den Beatles mit "Komm, gib mir deine Hand" und drei Gospels bis zu dem spanisch gesungenen "Eres tu". Hier hatte die instrumentale Begleitung ihren ersten Einsatz, Markus Winterhalter, Gitarre, Jürgen Parison, Bass, Dennis Müller, Percussions, sowie Jannik Trescher, Klavier, der bei einer besonders einfühlsamen Begleitung der drei Gospels mit Jazz-Variationen überzeugte. Die Moderation besorgte diesmal Pedro Martino, witzig, elegant und informativ. Zwar waren gelegentlich in einigen Stimmlagen kleine Schwächen zu verzeichnen, die den krankheitsbedingten Ausfällen geschuldet waren, doch führte Peter Hilfinger seine Sänger sicher auch durch diesen Programmteil.
Mit ganz neuem Programm präsentierte sich der Kirchenchor "St. Michael", der sich im vergangenen Jahr eine Konzertpause gegönnt hatte. Mit einer glücklichen Auswahl von Liedern aus verschiedenen Epochen und ganz unterschiedlichen Genres beglückten Peter Hilfinger und seine vielköpfige Sängerschar den Saal: beginnend mit dem von Franz Schubert vertonten "Am Brunnen vor dem Tore", vom Kunstlied längst zum Volkslied geworden. Ein echtes Volkslied hingegen, wenn auch von Hoffmann von Fallersleben textlich bearbeitet: "Abend ist es wieder", vom Kirchenchor als Wechselgesang auf Deutsch und Englisch wiedergegeben. Ganz anders kam der Chor dann allerdings daher mit einem schmissigen Gassenhauer, in dem sich Walter Kollo einst Sorgen um sein Haustier machte: "Mein Papagei frisst keine harten Eier, er ist ein selten dummes Vieh", berlinerisch-schnoddrig vorgetragen – das kann der Kirchenchor also auch.
Im zweiten Teil gab es eine Huldigung an die Musik als Heilmittel in allen Lebenslagen, eine Hommage an die Beatles mit "Lady Madonna" und ein Werk des erfolgreichen Songschreibers Hans Unterweger, "When the moon is on the run". Hier glänzte Karoline Wolf als Solistin mit einer bemerkenswert klaren Stimme, deren ganz eigener Klang wohl niemanden im Saal unberührt ließ.
Die Hochtöner sind wieder da, schmissig und spritzig wie eh und je. Ihre Adaptation eines Udo-Jürgens-Liedes: "Schwäbischer Wein". "Das musste sein!", kommentierte Gabriele Hilfinger, die den Text dazu geliefert hatte. Darin geht es um die schlimmen Folgen einer nächtlichen Sauftour ausgerechnet durch Rottweil, wo weit und breit kein Wein wächst. Das habe halt vom Reim her so gut gepasst, erklärte die Dichterin, die, selbst Schwäbin, gerade von Schwaben im Publikum stürmisch um den Text gebeten wurde. Da sage einer, die Schwaben hätten keinen Humor.
Als fast zu klein erwies sich die Bühne beim Finale mit allen Beteiligten. Mächtig brauste das Spiritual "Ride on King Jesus" durch den Saal, Erinnerungen wurden wach bei Auszügen aus dem Musical Hair – Gänsehautfeeling und Ergriffenheit vor so viel Stimmgewalt konnten da nicht ausbleiben. Ein dankbares Publikum revanchierte sich mit langem Applaus für einen erfüllten Abend.
Programm Chorkonzert 2012 BZ 15.02.2012 Anne Freyer
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